20.06.2017

Datenklau und gefälschte Briefe: „DocMorris“ bleibt weiter Erklärung schuldig

Die Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Stefinger und Alexander Hoffmann warten noch immer auf eine zufriedenstellende Erklärung, wie es dazu kommen konnte, dass etliche „DocMorris“-Protestbriefe gegen ein Versandhandelsverbot mit rezeptpflichtigen Medikamenten offenbar gefälscht wurden.

Viele Bürgerinnen und Bürger, die angeblich den vorformulierten Text an die CSU-Parlamentarier geschickt haben, wussten gar nichts von der Aktion und waren dementsprechend überrascht, als sie hierzu einen Antwortbrief ihrer jeweiligen Wahlkreisabgeordneten in ihrem Briefkasten hatten. 
„DocMorris hat keine Kundendaten missbraucht“, antwortete ein Vorstandsmitglied des niederländischen Konzerns in einer kurzen Antwort. „Wenn es einen Missbrauch gegeben hat, dann – wie gesagt – durch Dritte.“ Eine Prüfung im Unternehmen sowie bei den Dienstleistern habe keine Beanstandungen ergeben.  
Mit dieser unbefriedigenden Antwort wollen es die beiden CSU-Abgeordneten nicht bewenden lassen. „Die Erklärungen von DocMorris werden immer knapper statt klarer“, ärgert sich Dr. Wolfgang Stefinger, der inzwischen drei Antwortschreiben von DocMorris erhalten hat. Im ersten Schreiben hat DocMorris noch bedauert, dass es zu nicht gewollten Missbrauch gekommen ist. Im zweiten Schreiben heißt es, dass DocMorris der Frage nachgeht, ob außerhalb des Verantwortungsbereichs von DocMorris eine missbräuchliche Verwendung der Online-Petitionsseite durch Dritte stattgefunden hat. Nun stellt DocMorris grundsätzlich in Frage, ob es überhaupt Missbrauch gegeben hat.  
Konkrete Fragen der Abgeordneten, welche Vorkehrungen DocMorris im Vorfeld getroffen hat, um einen möglich „Adress-Missbrauch“ auszuschließen, beantwortet das Unternehmen hingegen nicht. „Wir fordern weiterhin eine transparente und detaillierte Klärung, warum wir Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, die davon gar keine Kenntnis haben“, betont Dr. Wolfgang Stefinger. 
„Es ist nicht nur so, dass DocMorris knallharte Lobbyarbeit in eigener Sache unter Einbeziehung der eigenen Kunden betreibt. Mindestens genauso großen Anlass zur Sorge bereitet mir auch das geringe Interesse des Konzerns an einer ehrlichen Aufarbeitung“, kritisiert Alexander Hoffmann. „Der Missbrauch von sensiblen Kunden-Daten muss von DocMorris schleunigst aufgeklärt werden!“ 
MdB Hoffmann hatte aufgrund großer Zweifeln an der Echtheit einiger „DocMorris“-Protestbriefe die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff eingeschaltet. In ihrer Antwort an den CSU-Abgeordneten schreibt sie: „Selbstverständlich wäre es mit dem Datenschutzrecht nicht vereinbar, wenn im Namen von Bürgerinnen und Bürgern vorformulierte, vorfrankierte Schreiben von Unternehmen versandt würden, ohne dass die betroffenen Bürger hiervon auch nur Kenntnis hätten.“ Die Bundesdatenschutzbeauftragte nahm Hoffmanns Schreiben deshalb zum Anlass, ihre Kollegen in den einzelnen Bundesländern sowie, soweit es die Fa. DocMorris N.V. betrifft, auch ihren niederländischen Kollegen auf die Angelegenheit hinzuweisen und diesen zu bitten, hier tätig zu werden.