15.04.2016

MdB Alexander Hoffmann bei der Bundesagentur für Arbeit: Kritisch analysieren, nichts schönreden

Main-Spessart – Die Integration der anerkannten Asylbewerber in den Arbeitsmarkt stand im Mittelpunkt eines ausführlichen Gesprächs zwischen CSU-Bundestagsabgeordnetem Alexander Hoffmann und Eugen Hain. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Würzburg berichtete über die zahlreichen Aktivitäten seines Hauses, Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die große Herausforderung sei aber auch, dass unter diesem Engagement und diesen zusätzlichen Aufgaben das Kerngeschäft nicht vernachlässigt werden dürfe. „Auch in diesen herausfordernden Zeiten dürfen unsere Kunden keine Verschlechterungen unserer Service-Leistungen wahrnehmen“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Alexander Hoffmann bekräftigte, dass man „die Situation nicht schönreden sollte, denn die Folgen des riesigen Flüchtlingszustroms werden schon bald in unser Sozialsystem voll durchschlagen“. Es sei eine Illusion, dass praktisch alle Flüchtlinge Fachkräfte wären. So rechnet auch Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit und Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, damit, dass in fünf Jahren nur ca. die Hälfte derjenigen, die in Deutschland Zuflucht suchen, in Arbeit zu bringen sind – und dass bei hervorragenden Arbeitsmarktdaten. „Wir müssen vermeiden, dass wir uns hier völlig verheben.“ 
Generell müsse man sich die Frage stellen, ob die Mechanismen, mit denen in Deutschland bislang eine fünfstellige Zahl an Flüchtlingen jährlich integriert habe, überhaupt tauglich sind für die Größenordnung von rund einer Million wie im Jahr 2015. „Wenn ich heute schon weiß, dass auch in zehn Jahren rund 30 Prozent nicht auf dem Arbeitsmarkt zu bringen sind, stellt sich für mich schon die Frage, ob Arbeitsvermittlung und Weiterbildung bei 100 Prozent die Zielgröße sein müssen – zumal Asyl immer nur eine Bleiberecht auf Zeit bietet“, so Hoffmann.
Hain pflichtete dem Wahlkreisabgeordneten für Main-Spessart und Miltenberg bei. Auch er sehe bei allen Bemühungen und aller Professionalität der Verwaltung natürliche Grenzen. So müssten die Maßstäbe an die Schulung und Qualifizierung deutlich andere sein als zum Beispiel an Spätaussiedler. Viele Flüchtlinge seien Analphabeten und haben einen anderen sozikulturellen Hintergrund. Das könne in Einzelfällen auch leicht zu Überforderungen des Asylbewerbers führen. In der Praxis gelte es deshalb, bereits heute bei Weiterbildungsmaßnahmen und beim Erwerb von weiteren Qualifikationen Auswahlentscheidungen zu treffen.  
Alexander Hoffmann bedankte sich bei Eugen Hain für diese praxisnahe Einschätzung aus der Praxis und kündigte an, diese Eindrücke nach Berlin mitzunehmen.